Mark Levinson ML-27

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Broesel02
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Mark Levinson ML-27

#1

Beitrag von Broesel02 »

Vor einiger Zeit habe ich euch hier ja mitgenommen bei der Reparatur der ML-26 Vorstufe. Der Besitzer ist glücklich mit der Vorstufe - und hat mir seine ML-27 auch zur Überholung geschickt. Die klingt auch nicht mehr so wie er das gern hätte - und auch in noch in Erinnerung hat
Ich habe mich da etwas schwergetan. Aber seine Alternative, eine Threshold 400 die er noch im Keller hat, wollte ich auch nicht machen - dann doch lieber die ML-27.
Ich habe die Endstufe als sie hier war kurz angeschlossen. Der Stromverbrauch im Ruhezustand war mit knapp 80W deutlich zu gering. Sonst habe ich keine weiteren Messungen gemacht. Da steht also wieder so ein schwerer amerikanische Verstärker. Dieses mal "nur" 36 KG

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Deckel ab

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Alles schön kuschelig eng aneinander gebaut

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Von unten jede Menge Kabel

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Wenn man die Verblendungsbleche abnimmt, kann man darunter die Leistungstreiber und die zugehörigen Vortreiber und Ruhestromtransistoren sehen. Alles auf einem Kühlkörper

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Warum Mark Levinson das Herstellerland der Endtreiber übermalt hat? Ich weiss das nicht. Wahrscheinlich steht da nicht mehr USA drauf
Ich habe dann mal den einen Kanal zerlegt

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Jetzt kann ich auch die Netzteilelkos nachmessen und neu bestellen - wenn ich passende bekomme
Richard
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Broesel02
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Re: Mark Levinson ML-27

#2

Beitrag von Broesel02 »

Für die Netzteilkondensatoren habe ich recht lange gesucht. Die großen sind am Ende in der Kapazität etwas kleiner geworden, statt 45.000uF/75V habe ich im Durchmesser genau passend und etwas geringerer Höhe 39.000uF/80V gefunden. In Summe ist das aber nicht entscheidend, da der parallele Shunt Kondensator jetzt 4.700uF statt 680uF hat. Das passt also schon sehr gut. Der dünnere blaue Schraub Siebelko ist für die Spannungsverstärkung. Im Original 1.800uF/150V. Neu jetzt 5.000uF/160V.
Ich denke damit kann man gut Leben, da die Geometrie komplett erhalten bleibt. Die Muttern für die Schellen der Kondensatoren liegen übrigens so eng an der Schelle an, daß mein dünner zölliger Steckschlüssel nicht verwendbar ist. Man muß also mit einer schlanken Spitzzange von oben die Muttern 60° weise lösen oder anziehen. Für einen Maulschlüssel ist auch nicht genug Platz da. Montagefreundlich geht anders.
Die Endstufenblöcke kann man jetzt, wo alle Kabelverbindungen gelöst sind, mit vier Schrauben lösen und herausnehmen.

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von der anderen Seite

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Hier sieht man schon den Nachteil bei diesem Aufbau:

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Um an die Lötstellen der Platine zu kommen, müssen die Endstufentransistoren, Treiber und Ruhestromtransistoren herausgelötet werden. Das ist gar nicht lustig, da die doppelseitige Platine zum einen sehr knappe Bohrungen für die Durchkontaktierungen hat und leider auch nicht von überzeugender Qualität ist. Sehr schnell hat man die Durchkontaktierung mit dem Bauteil herausgezogen. Die Krell KSA 100 EUR, die neulich auf dem Tisch stand, war da erheblich reparaturfreundlicher aufgebaut. Bessere Platinen und größere Bohrungen für die Durchkontaktierungen.
Hilft nix, die Platine muß frei sein, sonst kann man da nicht löten.
Hier ist die erste Hälfte der Transistoren schon mal heraus

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Die Elkos auf der Verstärkerplatine waren alle platt - wie auch schon bei der Vorstufe. Der hier gezeigte Elko soll eigentlich 68uF haben, als Shunt über der Zenerdiode für den Regler der ersten Stufen der Spannungsverstärkung (C52/C53)

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Ein paar Bemerkungen zu den Treibertransistoren, TO-220 Gehäuse. Damit die Beinchen vom Kühlkörper bis durch die Platine reichen, hat ML kleine Verlängerungen angelötet

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Die bekommt man auch nicht wieder abgelötet, um sie mit einem neuen Transistor verwenden zu können. Ich weiss auch nicht, wo ich so etwas kaufen könnte. Ich habe aber fest vor, die verwendeten MJ15030 & MJ15031 gegen neue zu ersetzen. Die haben, wie auch die Endtreiber, in ihrem bisherigen Leben schon zu viel gesehen. Noch gibt es diese Transistoren in sehr guter Qualität, noch kann man die ersetzen. Ich wenigen Jahren wird auch das vorbei sein, befürchte ich.
Ich habe es probiert: Wenn man an den TO-220 Typen die Beinchen direkt am Transistor im Radius herunterbiegt, sind sie lang genug, um durch die Platine hindurchzuschauen und man kann sie spannungsfrei verlöten. So habe ich das also auch gemacht
Hier die Verstärkerplatine von der Rückseite

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Da kommt dann eine Kunststofffolie rüber

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und dann kann man die Endtreibermodule mit den Distanzhaltern wieder einbauen

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Hier jetzt ein Kanal fertig vor dem Einbau

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Vor dem Einbau der Endstufe in das Gehäuse sollte man noch die Röderstein Kondensatoren aus der Schutzschaltung ersetzen. Die sitzen direkt hinter der Rückwand, man kommt an die Platine nur heran, wenn die Verstärkerplatine ausgebaut ist. Ich habe diese Kondensatoren nicht mehr nachgemessen sondern gleich ersetzt. Röderstein eben. Die hatten auch schon wieder so einen komischen Belag oben drauf . . .
Richard
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Re: Mark Levinson ML-27

#3

Beitrag von MK1974 »

Wow das ist ja richtig aufwendig. Danke für das teilen. Meinen Respekt!
Liebe Grüße
Markus
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Re: Mark Levinson ML-27

#4

Beitrag von Armin777 »

Wirklich wahr? In dieser hochgelobten Endstufe sind MJ15024/25 verbaut? 4MHz-Transistoren, bei deren Einbau (der verbesserten Nachfolger, aber immer noch 4 MHz Transitfrequenz) ich heute noch immer ein schlechtes Gewissen haben, falls ich nicht mehr erhältliche TO-3-Transistoren ersetzen muss. Unglaublich. Das überlackierte Herkunftsland ist übrigens "Mexico", Motorola hatte seinerzeit die Halbleiterproduktion bereits in das billigere Nachbarland Mexico ausgelagert. Später hat man die Halbleiterfertigung ganz aufgegeben, die Produzenten in Mexico haben sich dann ON Semiconductor genannt. Die existieren noch heute und sind gut im Geschäft. Du wirst sie kennen, Richard. Ansonsten gewohnt professionelle Arbeit, Hut ab!
Beste Grüße
Armin von good-old-hifi.de
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Re: Mark Levinson ML-27

#5

Beitrag von Piotrek_Z »

Die Verlängerung für TO Transistorgehäuse sieht verdächtig nach Buchsenleiste aus, allerdings mit extra langen Beinchen.

Die Kanten könnten davon stammen, dass man die 3er aus einer langen Buchsenleiste abgeschnitten hat.

Beispiel für eine Buchselnleiste:

https://www.reichelt.de/de/de/shop/prod ... _mm-407119
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Re: Mark Levinson ML-27

#6

Beitrag von Darling-Ton »

Broesel02 hat geschrieben: Montag 21. Juli 2025, 23:24Ein paar Bemerkungen zu den Treibertransistoren, TO-220 Gehäuse. Damit die Beinchen vom Kühlkörper bis durch die Platine reichen, hat ML kleine Verlängerungen angelötet

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Die bekommt man auch nicht wieder abgelötet, um sie mit einem neuen Transistor verwenden zu können. Ich weiss auch nicht, wo ich so etwas kaufen könnte.
Zur Not die Beinchen einzeln abzwicken und dann einzeln auslöten. Könnte allerdings schwergängig sein, denn so wie es aussieht sind das IC- oder Leiterplattenverbinder, deren Stifte üblicherweise etwas dünner (und rund) sind als die der TO220 Transistoren.
Ich habe es probiert: Wenn man an den TO-220 Typen die Beinchen direkt am Transistor im Radius herunterbiegt, sind sie lang genug, um durch die Platine hindurchzuschauen und man kann sie spannungsfrei verlöten. So habe ich das also auch gemacht
Das ist problematisch. Die Hersteller geben Mindestabstände zwischen der Gehäusekante und Biegekante, sowie Biegeradien vor, die nicht unterschritten werden dürfen.
Ansonsten wird die interne Verbindung mechanisch gestresst und reißt nach einigen thermischen Zyklen, im schlimmsten Fall schon vorher ab.
Das gilt sinngemäß für alle Gehäuse, auch von Widerständen etc.
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Re: Mark Levinson ML-27

#7

Beitrag von Broesel02 »

Eigentlich wollte ich die Endstufe nun zusammenbauen. Bei einem näheren Blick in die Kabelwüsten auf der Unterseite der Mark Levinson sind mir dann aber noch die Knallfrösche aufgefallen. Y- Koindensatoren, 0,0047uF, alle rissig.

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Dazu muß natürlich, wie sollte es auch anders sein, die untere Platine heraus. Damit man an die Lötstellen herankommt. Dazu müssen dann alle AMP Stecker abgezogen werden und, was noch wichtiger ist, nachher wieder an gleicher Stelle aufgesteckt werden.

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9 Kondensatoren sind das. Wenn die rissig sind, ziehen die Feuchtigkeit und explodieren irgendwann, wenn man es nicht erwartet. Das stinkt und sorgt immer für Verdruss. Also müssen die alle noch ersetzt werden.

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Aber das hat zum alles Glück fehlerfrei geklappt!
Die Endstufenmodule sind auch wieder montiert, mit den neuen Endtreibern und den neuen Vortreibern. Ich habe alle Transistoren auf Silikone-Pads montiert. Ich mag die weiße Schmiere für die Glimmerscheiben nicht haben. Das verschmiert man sich immer alle möglichen Sachen mit, zum Teil auch die Klamotten. Die Isolationsprüfung und Durchgangsprüfung der Transistoren mache ich meist 24 Stunden nach der Montage, damit sich alles gesetzt hat und man nicht noch verspätete Überraschungen erlebt

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Hier die fertige Endstufe von Oben

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Die Vorgaben von Mark Levinson bezüglich der Verlegung der Kabel lassen sich nicht wirklich so durchführen wie gefordert - das passt nicht! Aber man kommt sehr nah dran.

Dann kommt Strom drauf. Ich schalte nach so großen Reparaturen ja immer mit Glühbirne in Reihe ein. Hier nun also 600W in Reihe. Alles funktioniert, Schutzschaltung gibt frei. Kein Ruhestrom. Der Ruhestrom kommt aber, wenn man am Ruhestrompoti ein wenig nachregelt. Der Ruhestrom wird im Service Manual über den beiden letzten gemeinsamen parallelen Emitterwiderständen gemessen. Die Angaben an verschiedenen Stellen im Service Manual betragen entweder 20mV oder 17,6mV angegeben. 17,6 mV entspricht dann 40mA Ruhestrom pro Device. Ich habe etwa 15mV eingestellt
Der Offset stellt sich mit 19mV ein - er darf bis 30mV betragen. Einstellen kann man da aber nichts.
Bei den 15mV Summenruhestrom verbraucht die Endstufe etwa 200W Leistung. Das ist immer noch etwas mehr als die im Manual angegebenen 175W @ Idle.
Ich habe die Endstufe noch eine Stunde laufen lassen, mit offener Tür meiner Werkstatt, so daß die Raumtemperatur trotz der Heizleistung der Endstufe nicht über 24°C gewandert ist. Alle Werte verhalten sich stabil, das Ding wird ordentlich warm! Sinus wird auch verstärkt, da habe ich jetzt mal kein Bild mehr gemacht. Gehört habe ich nicht, weil ich immer noch keine Adapter von diesem komischen proprietären ML Anschluss auf normal Cinch Stecker habe. Für das Oszi kann ich das Signal in der Schaltung abgreifen. Aber zum Hören bräuchte ich das, da mache bei dieser Endstufe keine unsichere Lösung.
Also ist die Endstufe dann wieder in die Transportkiste gekommen, aufwendig abgepolstert. Transportkiste verschraubt. UPS hat die Kiste heute mit der Sackkarre abgeholt. Ich werde vom Besitzer hören, wie es tönt
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Re: Mark Levinson ML-27

#8

Beitrag von Darling-Ton »

Darling-Ton hat geschrieben: Dienstag 22. Juli 2025, 16:16Das ist problematisch. Die Hersteller geben Mindestabstände zwischen der Gehäusekante und Biegekante, sowie Biegeradien vor, die nicht unterschritten werden dürfen.
Ansonsten wird die interne Verbindung mechanisch gestresst und reißt nach einigen thermischen Zyklen, im schlimmsten Fall schon vorher ab.
Das gilt sinngemäß für alle Gehäuse, auch von Widerständen etc.
Anbei eine Vorgabe zur Handhabung von TO220 Anschlüssen des Herstellers ST (Motorola hat ähnliche):
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Re: Mark Levinson ML-27

#9

Beitrag von Armin777 »

Ja, ja, Richard - die Rifa-Impulskondensatoren sind so gut wie immer rissig und sollten vorsichtshalber erneuert werden. Die sind nicht umsonst als "Knallfrösche" bekannt. Hut ab, dass Du die ganze Platine ausgebaut hast, nur um vorsichtshalber die Knallfrösche auszutauschen! Danke für die Einblicke, die Du uns gewährst. :drink:
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Re: Mark Levinson ML-27

#10

Beitrag von Broesel02 »

Meine Güte,
das ist doch egal, warum da als Herstellerland Mexiko draufsteht. ON gibt seinen Namen dafür, die Dinger sind qualitativ in Ordnung. Kann man diese ganze sachfremde Diskussion über Fabriken von ON aus der Thread der eigentlichen Endstufe herausnehmen?
Richard
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